Der Schweinesand
mitten in der Elbe am Hauptschifffahrtsweg vor Blankenese wurde durch Aufspülung zum Neßsand. Hatte man doch Teile vor
Finkenwerder - das Neß
- weggebaggert, um eine ausreichende Wasserfläche für Wasserflugzeuge zu
bekommen.
Der junge ehemalige
deutsche Soldat Gerd Japp, hatte im Krieg den linken Arm verloren und sich nach
dem zweiten Weltkrieg angesichts der schweren Wohnungsnot in Hamburg in einer
ehemaligen Flakbaracke auf dieser Elbinsel vor Blankenese eingerichtet und
wohnte hier mit seiner Frau Wilma Japp
und später mit den Kindern Karin, Ingo und Jutta ein Leben wie Robinson Crusoe mitten in
Hamburg.
Die Insel selbst ist ein Unikum. Gleich drei Länder stoßen
auf dieser Elbinsel zusammen und drei Verwaltungen haben Besitzansprüche und Zuständigkeiten. Doch nach dem Zusammenbruch im Mai 1945 hatte der damalige
Leiter Duve des Hamburger Naturschutzamtes
in Gutsherrenart Jörg Japp auf
der Insel als freien Mitarbeiter ohne Entgelt und Bindung angeworben und
vereinnahmt. Ein kleines Schlauchboot war
für Versorgungsfahrten vorhanden.
Später wurde ein ordentliches Anstellungsverhältnis mit Gerd
Japp begründet. Gerd Japp war jetzt Mitarbeiter des Naturschutzamtes und Inselwart von Neßsand. Das war auch vonnöten, denn nicht nur Blankeneser , sondern Sonnenhungrige aus ganz Hamburg überfluteten
an sonnigen Sommertagen die Insel. Hier wurden Zelte aufgebaut und Behelfsheime
errichtet. An der Südkante war sogar ein Nacktbadestrand und von Blankenese aus
fuhren mindestens drei Barkassen im
Sommer zur Insel. Da musste Ordnung geschaffen werden.
Da drei Länder ihre Zuständigkeiten anmeldeten, musste
Hamburg erstmal abklären, wer federführend die Aufsicht über die Insel
haben sollte. Na klar, Hamburg, denn die Hamburger hatten schon einen Inselwart
installiert. Ohne langes Aufsehen wurden die touristischen Ansprüche der
Hamburger auf der Insel eingeschränkt. Man fuhr jetzt auch lieber nach
Norderney und Italien.
Am Freitag, den
16. Februar 1962 fuhr der
Inselwart Gerd Japp mit seiner Barkasse,
einem ehemaligen Vermessungsboot, nach
Blankenese und vertäute das Schiff am Bull’n. Er wollte zum Wochenende
seine schulpflichtige älteste Tochter Jutta
von der Gorch – Fock – Schule abholen und auf die Insel zurück
bringen. Durch den Sturm, der sich im
Laufe des Tages zum Orkan auswuchs, war es ihm nicht möglich auf der Insel
anzulanden.
Verzweifelt rief er
die Wasserschutzpolizei zur Hilfe. Die informierte die Hamburger Feuerwehr,
denn die hatte ein größeres Feuerlöschboot bei der Deutschen Werft liegen, das
bei dem hohen Wellengang, der während des Orkans auf der Elbe herrschte, besser
geeignet erschien.
Von der Feuerwache Finkenwerder setzte sich ein
Feuerlöschboot mit dem Schiffsführer Gerd Stecher und seinen sieben Männern in Richtung Blankenese in Marsch. Blankenese wurde erst nach fast einer Stunde
Fahrzeit erreicht. Hier stieg Gerd Japp mit ins Boot. Die Fahrt von Blankenese
Anleger bis zur Südkante von Neßsand zog sich wegen des mit aller Macht
tobenden Sturmes endlos hin. Bei der Insel angelangt, es war inzwischen Nacht
geworden, sahen Gerd Japp und die Feuerwehrmänner im Scheinwerferlicht des
Bootes Frau Japp und ihre jüngsten
Kinder in einem Beiboot sitzen, das auf den Wellen zwischen Baumspitzen auf der
Insel trieb. Allem Anschein nach war es der Frau noch gelungen, das Boot am
Dach oder einer Baumkrone festzubinden. Die Feuerwehr setzte vom Löschboot
aus ein mit drei Männern besetztes
Schlauchboot ein, um an die ca. 100 Meter entfernte Frau heranzukommen. Bereits
wenige Meter vom Löschboot entfernt wurde das Schlauchboot mit drei Männern von
den Wogen erfasst und zum Kentern gebracht.Sie befanden sich unter dem Kiel des
Feuerlöschbootes. Die Feuerwehrmänner konnten nur mit größter Mühe lebend
geborgen werden. Sie waren Gottseidank angeleint gewesen. Die Schreie von Wilma Japp die bis dahin
fetzenweise bis zum Feuerlöschboot hin vernehmbar waren, brachen urplötzlich
ab. Gleichzeitig war das Beiboot der Familie Japp aus dem Lichtkegel des
Suchscheinwerfers verschwunden. Da es wegen der hochgehenden Wellen nicht
möglich war, ohne Gefährdung für Schiff
und Leben der Besatzung, die Suche aufzunehmen, brach der Schiffsführer Gerd
Stecher mit Einverständnis von Gerd Japp die Rettungsaktion ab. Das
Feuerlöschboot lief mit der erschöpften
und zutiefst erschütterten Besatzung nach Finkenwerder zurück.
Am nächsten Tag erreichten Rettungskräfte und
Bootsbesitzer aus Blankenese die Insel
und fanden die Leichen von Wilma Japp
und den Kindern. Der Hausrat hing in den Bäumen und war über die ganze Insel zerstreut. Die Unterkunft der Familie war zerstört.
Gerd Japp blieb der Inselwart auf Neßsand. Jetzt wurde ein
großer Radarturm auf der Insel errichtet und eine flutsichere Anlegestelle. Das
neue Heim der Familie Japp, Gerd Japp
hatte eine neue Lebenspartnerin gefunden, liegt flutsicher auf einer Warft.
Die Insel ist jetzt Rückzugsort für durchziehende Zugvögel und ein wertvolles
Biotop. Die Insel darf nicht von Unbefugten betreten werden.
Heiner Fosseck
PS: Der Bericht stützt sich auf einen Artikel von Werner
Hoffmann „Die grüne Spur“. Zwei Jahrzehnte amtlicher Naturschutz in Hamburg.
1957 – 1977. Vision und Erfahrung
Die Schilderung vom dramatischen
Rettungsversuch der Feuerwehr wurde dem Buch „Die große Flut“ (Freie und
Hansestadt Hamburg, Schulbehörde) entnommen.
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